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Alle Jahre wieder…

…laufen wir in einen gigantischen Versorgungsengpaß bei Gartenmöbeln. Da wir in unserer heutigen Konsumgesellschaft gewoht sind, jedes Produkt zu jeder Zeit kaufen zu können denken wir das logischerweise auch von Gartenmöbeln. Aber Vorsicht – hier gibt es ein paar gravierende Unterschiede zu all den anderen Produkten wie Lebensmittel, Elektronik, Bücher, Kleidung etc.

Leeres Lager
...wer zu spät kommt...

Zum einen handelt es sich bei Gartenmöbeln um reine Saisonartikel, d.h. diese werden nur während eines begrenzten Zeitraumes in größerer Menge verkauft. Während früher Gartenmöbel von September bis März überhaupt nicht im Handel zu finden waren, erstreckt sich nun wenigstens die Bestellbarkeit über alle 12 Monate des Jahres. Ich verwende hier bewußt den Begriff “Bestellbarkeit”, denn die Lieferfähigkeit ist ein ganz anderes Thema; aber dazu später. Anbieter waren früher fast ausschließlich der Möbelhandel, Gartencenter und Baumärkte. Diese Branchen haben aber eine komplett andere Beschaffungslogistik wie besipielsweise der Fachhandel oder der Internethandel. Im Möbelhandel, in den Baumärkten und den Gartencentern sind Gartenmöbel auch heute noch reine Saisonartikel. Zu Beginn des Jahres wird eine entsprechend geplante Menge eines schmalen Sortiments eingekauft und auf eigens dafür vorgesehenen Flächen abverkauft – solange der Vorrat reicht. Nachbestellungen werden allenfalls – wenn überhaupt – nur bis April oder Mai getätigt, danach ist der entsprechende Artikel eben ausverkauft. Ist die Saison vorbei und vor allem beginnt die vorweihnachtliche Zeit, die ja zuweilen schon im September eingeläutet wird, werden die Flächen leergeräumt und mit Weihnachtsdekoration, Nikoläusern und Rentieren bestückt.

Im Fachhandel und im Internethandel liegen die Dinge etwas anders. Dort werden zwar ebenfalls einige Artikel aus dem angebotenem Sortiment vor Ort gelagert; da aber meist das komplette Spektrum der vertretenen Hersteller angeboten wird, ist eine vernünftige Lagerhaltung nicht möglich und nicht wirtschaftlich. Deshalb wird auf die Lagerhaltung der Hersteller zurückgegriffen und hier beginnen die Probleme.

Stellen sie sich vor, sie müssten 500 Produkte (Gartenstühle, Gartentische, Gartenbänke etc.) in Asien produzieren lassen und haben die zugegebenermaßen unlösbare Aufgabe zu erraten, welche der Produkte auf dem lokalen Markt im nächsten Jahr in welcher Größenordnung nachgefragt werden. Nicht einfach, oder? Aber genau vor dieser Problematik stehen die Händler und vor allem die Hersteller. Früher gab es eine weit geringere Produktvielfalt und die Produktion fand auch zum Teil im eigenen Lande statt. Da konnte man schnell mal einen vergriffenen Artikel nachproduzieren und noch rechtzeitig während der Saison liefern. Heute ist das schier unmöglich: ist der Artikel ausverkauft und das Lager leer, dauert es mindestens 3 Monate bis Ersatz zur Verfügung steht. Ja, warum beschafft man nicht eine ausreichende Menge? Gartenmöbel gehören, im Gegensatz zu Kleidung und Elektronik, nicht gerade zu den platzsparenden Produkten unserer Welt. Es wären also Riesenflächen nötig, um die Waren überhaupt lagern zu können. Da sauberere, beheizte Lagerflächen aber gerade in Deutschland nicht billig sind, würde dies die Produkte erheblich verteuern. Zudem stünden das halbe Jahr über die Flächen größtenteils leer. Außerdem ist der Einkaufswert auch wesentlich höher als in anderen Branchen und würde sich ebenfalls wegen der Kapitalbindung auf die Ladenpreise niederschlagen.

Aus diesem Grund versuchen die Hersteller eine sinnvolle Planung und Bevorratungswirtschaft, die sich aus der eigenen Einschätzung des Marktes und der ihrer Fachhändler, den aktuellen Trends und der zur Verfügung stehenden Ressourcen ergibt. Das klappt wie durch ein Wunder bei vielen Artikeln, aber eben nicht bei allen. In der Regel gilt hier bei Produkten der unteren Preiskategorie auch die 80:20 Regel. 80% der Produkte sind während der Saison lieferbar, 20% eben leider nicht. Bei hochwertigen Produkten verändert sich das Verhältnis teilweise bis zu 50:50. Und das Schlimmste daran: das kann bereit im März passieren.

Deshalb unser dringender Ratschlag: schieben sie ihren geplanten Gartenmöbel-Kauf nicht zulange auf. Wenn sich die ersten Frühlingsboten ankündigen, schlägt jeder zu und schon ist das Malheur passiert – die ersten Engpäße treten dann auf. Seien sie cleverer als die anderen und kaufen sie dann, wenn es noch wenige tun. Ihr Händler ist in der Regel auch gerne bereit, die Waren für sie zu lagern, bis ihre Terrasse vom Schnee befreit und der Garten bewohnbar wird. Ansonsten gilt der Spruch: …wer zu spät kommt…